Frau Limette



woah.

 

Frau Limette 06.02.2010, 22.04 | PL | einsortiert in:

Früher und heute

Früher nannte man es Winter.

Heute nennt man es Katastrophe.

Frau Limette 03.02.2010, 07.00 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Galle

Giftgelb, hass- und neidzerfressen tropfen die Worte über meinen Bildschirm. Hätte ich doch gewartet, mit dem Öffnen. Hätte ich doch...

Der Tag, an dem ich die schwere Urne meines Großvaters über den Friedhof trug, war der Tag, an dem ich den letzten Kontakt hatte.

Dass diese Frau, die sich Mutter nennt, nun, heute, wieder in mein Leben tritt, verursacht Übelkeit.

Die Mauern sind oben. Hoch. Aber im Grunde... hat sie das Herz doch immer noch in der Hand. Das des kleinen Mädchens, das ich da hinter den Mauern verberge.

Ich kann mich gegen die Übelkeit kaum schützen. Die Bilder.

Atmen. Ein, aus. Ruhig. Weitergehen. Langsam.

Frau Limette 27.01.2010, 13.00 | PL | einsortiert in:

Gefrier-Zirkus

Wenigstens die Kinder fanden es extrem lustig, wie wir von hinten links ins Auto gekrabbelt sind, weil alle anderen Türen nicht aufgingen.

Spässchen.

Frau Limette 27.01.2010, 10.25 | (5/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Von Unliebe

Da hat mir jemand ein Buch geschenkt, vor einigen Wochen.

Der Titel selber überschritt schon jede Grenze. Kaum noch ein anderer hätte mir dieses Buch schenken dürfen, denke ich. So intim.
Mit Widmung. So persönlich. Fast schon zu persönlich, aber diese Gratwanderung zwischen Nähe und Taktlosigkeit gelang.

Es kribbelte spürbar, doch ich fühlte mich nicht bedroht, nicht verunsichert.

Und es lag.

Gut abgelegen hab ich es die Tage in die Hand genommen und weggelesen.

Und es war einschneidend.

Du hast meine Welt ein Stück verändert, indem du den Schritt gewagt hast, mir dieses Buch zu schenken. Mir nahe zu treten.

Was für ein Geschenk.

Danke.

Frau Limette 26.01.2010, 10.30 | PL | einsortiert in:

Müde

Aber im Blinzeln ein Lichtblick. Es scheint weiterzugehen.

Frau Limette 22.01.2010, 07.00 | PL | einsortiert in:

Schonungslose Wahrheiten

Wir alle sind ja daran interessiert, unseren Mitmenschen unter dem Deckmäntelchen der Wahrheit möglichst auch die letzte Illusion zu rauben, die ihnen womöglich das Leben angenehmer und glücklicher gestaltet hätte, als wir das ertragen könnten.

Und weil es so einfach ist, zu urteilen und persönliche Wahrheiten eines anderen Menschen in Frage zu stellen, um sich nicht mit seinem eigenen Leben beschäftigen zu müssen, hauen wir munter mit einem Schwert aus Worten in Wunden und schlagen sie tiefer.

Frau Limette 20.01.2010, 19.08 | PL | einsortiert in:

Nichts

Irrend im Nichts.

Welchen Wert habe ich? Den, den ich mir zugestehe? Welcher ist das? Was habe ich gelernt, außer - Nichts zu sein?

Dienen. Dem Zweck. Dem Überleben. Dem Jetzt. Und nichts erwarten. Nichts erhoffen.

Den eigenen Wert fühlen?

Nein. Aber meinen Platz kennen.

Frau Limette 20.01.2010, 12.28 | PL | einsortiert in:

Worthülsen

Ohrenbetäubende Stille.

Worthülsen ohne Inhalt.

Kaum auszuhalten.

Frau Limette 20.01.2010, 00.58 | PL | einsortiert in:

Antriebslos und angetrieben

Mit den Problemen stapeln sich hier Wäscheberge. Sie sind das äußere Zeichen von es türmt sich in mir auf. Vor mir.

Ordnung würde helfen.

Allein - sie macht keinen Sinn.

Funktionieren um des Funktionierens Willen. Immer weiter, immer voran. Ich versuche zu bremsen, aber der Alltag ist unerbittlich.

Er schiebt mich von einer Verpflichtung in die nächste und wenn es nur die nächste Windel, die nächste Mahlzeit, der nächste Schultag ist.
Immer nur weiter, immer weiter.

Frau Limette 19.01.2010, 15.00 | PL | einsortiert in:

Puzzle

Da auf dem Boden liegen sie, die 1000 Bruchstücke meines Lebens.

Eine Beziehung kann nur dann funktionieren, wenn jeder der Beteiligten insgeheim der Meinung ist, das bessere Geschäft gemacht zu haben.
Froh, dankbar und voller Demut ist, vom Gefährten auserwählt worden zu sein.

Kippt diese Einsicht, kippt auch die Beziehung.

Ein nonchalantes 'glaub mir, ohne mich geht es dir noch schlechter' ist sicherlich Sinnbild des Gegenteils dieser Auffassung.

Großer Eimer Scheiße.

Frau Limette 18.01.2010, 11.29 | PL | einsortiert in:

Sozialamt

Dort sitzen sie, die Beamte, die mit der höchsten emotionalen Intelligenz ausgestattet sein sollten.

Weil man sich nur in höchster Not an sie wenden wird. Nur, wenn alle Stricke reißen, man abhängig, klein und hilflos ist.

Ihre Arbeit, die Bearbeitung der Fälle, die Geschwindigkeit, die Sorgfalt, entscheidet unter Umständen darüber, ob ein Antragsteller zusätzlich zu allen anderen Sorgen vielleicht neuen Mut schöpft.
Ein wenig Hoffnung, wo man sich vielleicht damit beschäftigen muss, dass ein geliebter Vater oder eine Mutter bald stirbt und man selber keine Möglichkeit hat, sie zu betreuen.

Und kein Geld, um das Heim zu bezahlen, in dem sie sterben werden.

Ein verzögerter Antrag ist nicht nur Papier. Es ist menschliches Leid. Unendliches Leid.

Und oft sitzen an diesen Stellen einfach nur die verantwortungslosesten und faulsten Arschlöcher.

Frau Limette 15.01.2010, 12.50 | PL | einsortiert in:

Kein Zurück.

OhmeinGott.

Frau Limette 15.01.2010, 12.32 | PL | einsortiert in:

Verachtung

pur. kompromisslos.

Ich sehe herab, wo mal Augenhöhe war.

Jetzt. Jetzt gehen, bevor es noch schlimmer wird.

Gott, mir ist so übel. Hilf mir, das irgendwie durchzustehen.

Irgendwie.

Frau Limette 15.01.2010, 12.10 | PL | einsortiert in:

Entäuschungen

So hilflos.

So wütend.

So frustriert.

Das Einzige, das helfen wird, ist ein Schlussstrich.

Im Geiste schon gezogen.

Allein...

Frau Limette 15.01.2010, 12.07 | PL | einsortiert in:

Puff

Und die Seifenblasen platzen und hinterlassen einen Scherbenhaufen.

Der ist im Grunde schon lange da. War aber wohl von meinen blutigen Füßen verdeckt worden.

So fühlt es sich also an, wenn man sich das Herz rausreißt.

Scheiß Liebe.

Frau Limette 13.01.2010, 12.18 | PL | einsortiert in:

Schwanger

Fernab von allen Sorgen und eigenen Ängsten ist dies wohl gefühlsmäßig die naheste Schwangerschaft, die ich begleiten darf. Und ich wusste nicht, wie sehr man da drin hängen kann, obwohl man selber gar kein Baby erwartet. Ein Wunder, in vielerlei Hinsicht.

Frau Limette 13.01.2010, 08.20 | PL | einsortiert in:

Täuschung

Der Spiegel, den andere Leute uns im Applaus vorhalten, wird uns nie in den Abgrund unserer Seele sehen lassen.
Er ist so blind, dass wir im Augenblick verharren und geblendet die Zugabe geben, die verlangt wird.
Wie kleine dressierte Äffchen.

Irgendwann denken wir dann, dass wir das tatsächlich sind: kleine Äffchen mit Windel, Pluderhose, Hut und einer Kette um den Hals.

Verharren an der Oberfläche.

Die Seele als Nichtschwimmerbecken.

Frau Limette 13.01.2010, 08.00 | PL | einsortiert in:

Schutzwälle

Lieber den Mund halten als etwas Negatives sagen.

Sorgen, die sich ihren Weg bahnen. Angst, diese Unschuld zu zerstören.

Ich tue mich manchmal schwer mit normalen Menschen. Mit Einem ganz besonders. Und ich meine normal durchweg positiv.

Aber diese Unschuld... Dieses süße Nichtwissen, das mich abwechselnd vor Neid erblassen und vor Zorn erröten lässt... es ist so schützenswert.

Und ich muss dann einfach einen Schritt zurücktreten.

Vielleicht aus Respekt. Oder Ehrfurcht. Oder einfach nur Angst.

Frau Limette 13.01.2010, 07.21 | PL | einsortiert in:

Kampf

Die Zeit scheint reif für eine grundlegende Umwälzung.

Als ich vor Jahren die Bühne verlassen habe, freiwillig, gerne - weil der Schatz an Erfahrungen einfach reichen würde und ich gesättigt war - da ahnte ich nicht, wie schwer es sein könnte, jemanden zu begleiten, der das erst noch vor sich hat.

Auch Fehler begleiten gehört zu einer Beziehung. Auch nichts-sagen. Auch Erfahrungen machen lassen ohne Belehrung.

Wenn man aus zwei unterschiedlichen Richtungen kommt und sich in der perfekten Mitte trifft, muss man auch akzeptieren, dass die Nähe dort ultimativ ist. Der Weg führt mich zu seinem Anfang und Seiner zu Meinem.

Ich sehe, was dort liegt. Und es gibt keinen Weg, es mitzuteilen. Man muss es leben.

Was danach kommt?

Wer weiß das schon. Das Ende. Ein gemeinsamer Anfang.

Die Ungewissheit, die so süß lockt und so waghalsige Versprechungen macht... ich kenne sie schon. Ich kenne auch ihren wahren Namen.

Aber hätte mich das damals abgehalten?

Wohl kaum.

Frau Limette 13.01.2010, 07.00 | PL | einsortiert in:

Verständnis

Beim Aufstehen morgens jedesmal hören, wie das Kind die Bücher wieder heimlich in die Regale sortiert, die es nachts mit im Bett hatte, trotz abendlichen Leseverbotes nach Schlafenszeit.

Sich zurückerinnert fühlen.

Heute Abend wie jeden Abend mit ernstem Gesichtsausruck mahnen, dass Schlafenszeit ist.

Und still und leise schmunzeln, wenn beim Schließen der Tür das Geräusch zu hören ist, wie die Bücher unterm Kopfkissen hervorgekramt werden.

So süß, dieses Wissen. So wunderbar.

Frau Limette 11.01.2010, 13.00 | (5/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Seelenseufzen

tod-, tieftraurig

Manchmal ist das Dunkle ganz nah, ganz vertraut. Lässt sich gut hochholen, betrachten, verstauen.

Fast wie in einer anderen Realität, einem anderen Leben, nicht Meinem.

Es schmiegt sich für einen kurzen Moment an mich und ich fühle die Intimität, die uns verbindet.
Die fast vulgäre Nähe, die wir einst geteilt haben und ich trete einen Schritt zurück, bangend, ob es mir folgen wird.

Es vibriert aufgeregt, voller Leben, voller leuchtender schmerzhafter Bilder, aber es folgt nicht.

Ich schließe meinen Geist und die Dunkelheit legt sich wie ein Schleier um die pulsierende Erinnerung und das Blut in Gedanken versiegt.

Narbengewebe, fast. Kein Schorf mehr.

Heute Nacht zahle ich den Preis für meinen Mut.
Es gibt keinen Schutz in diesen Stunden. Sie sind bereits befleckt.

Morgen wieder.

Frau Limette 08.01.2010, 01.39 | PL | einsortiert in:

Risiko

So weit, dieser Raum.

So hell. So warm.

Frau Limette 08.01.2010, 00.29 | PL | einsortiert in:

Ärgerlich

So eine Fernbeziehung ist ja echt der letzte Mist.

Frau Limette 07.01.2010, 14.18 | PL | einsortiert in:

Der Zahnarzt und die Bären

Der Zahnarzt wäre vermutlich nicht so gut in seinem Beruf, wenn er kein Hobby hätte.

Dass dieses Hobby nun gerade die Jagd ist, über die er mit fuchtelndem Bohrer euphorisch referiert, während ich mit weit offenem Mund auf einem Zahnarztstuhl sitze und von 5000 Watt  angestrahlt werde, ist... eher suboptimal...

Damals, in Sibirien, dröhnt seine tiefe Stimme mit dem harten russischen Akzent durchs Zimmer und ich glaube zu sehen, dass selbst die Zahnarzthelferin ein wenig zusammenzuckt.
Damals, mit dem Bären! Und er reißt seine riesigen Pranken auseinander und reißt dabei fast den Schlauch des Bohrers ab.

Chakosla! brüllt er die Zahnarzthelferin an, von der ich immer noch nicht weiß, wie sie heißt. Chakosla! Damals, als wir bei Minus Frierzick Krat! Bei MINUS FRIERZICK KRAT! In Sibirien... Da ist das hier Sommer!! Sommer, Chakosla!!

Ich zucke zusammen und werfe noch einen Blick aus dem Fenster auf die eiskalte und schneebedeckte Winterlandschaft, die gerade zu einem kühlen Sommer degradiert wurde, bevor ich die Augen wieder schließe.

Er hat Ahnung von Zähnen. Er beruhigt meine Panik. Er ist nett.

Soll er doch in seiner Freizeit schießen worauf er will...

Und die Frauen sind nicht so dürr wie hier!, brüllt er just in dem Moment, als der Bohrer sich auch schon in meinen Zahn arbeitet.

Okay. Er mag dicke Frauen und Bären, denke ich noch so bei mir, als mir ganz schwummrig wurde.
Dieses Geräusch... Uah.

Chakosla murmelt bestätigend (beruhigend?) und er nimmt den Bohrer aus meinem Mund, um damit wild herumzugestikulieren.

Soviel Fleisch!!!
dröhnt er direkt neben meinem Ohr und ich frage mich noch, ob er gedanklich nun schon wieder bei den Bären oder immer noch bei den Frauen ist.

Ich werde es nicht herausfinden.
Es tut weh und ich hebe die Hand. Er hört sofort auf.
Chaben Sie Schmerzen? Er zieht seine buschigen dunklen Augenbrauen zusammen und mustert mich.

Ich chabe habe.

Verträumt greift er nach der Spritze und ich versinke wenige Augenblicke später in watteweichem Nicht-Empfinden.
Als er rausgeht, um die Betäubung wirken zu lassen, unterrichtet er Chakosla über die neuesten jägerlichen Erkenntnise, die viel mit Schießen und eisiger Kälte und Regen zu tun haben.

Mein Zahnarzt, der Bärentöter.

Frau Limette 05.01.2010, 23.47 | (8/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Zweierlei Maß

Es scheint immer noch etwas anderes zu sein, Anderen zuzugestehen, was man für sich selbst schon längst in Anspruch nimmt...

Frau Limette 05.01.2010, 13.15 | PL | einsortiert in:

Guter Start in den Tag

Es ist ganz enorm, wieviel Wut man schon vor dem Aufstehen entwickeln kann...

Frau Limette 05.01.2010, 10.30 | PL | einsortiert in:

Begegnungen

Ich hab von dir geträumt.

Und ohne Groll, ohne Wut, ohne Leidenschaft festgestellt: ich mochte dich.

Ich mag die Lüge nicht. Namen sind nicht Schall und Rauch.

Verstecken wir uns hinter einem Pseudonym, verstecken wir alles.

Der Schritt war für mich nicht geringer als für dich.

Verloren.

Frau Limette 04.01.2010, 16.00 | PL | einsortiert in:

Verliebt

Es ist lange her, dass ich einen Menschen so nahe gelassen habe.
Ich hatte in meiner Abwehr etwas von kleinen Schritten geschrieben, verleugnend, aber im Herzen wohl wissend, dass ich allein mit der Niederschrift dessen schon den größten Sprung über meinen Schatten gewagt habe.

Ich gebe mich hin und in den letzten Zügen des alten Jahres entstand eine Pause, die mir bewusst wurde. Jeden Tag. Und dieser Prüfstein wäre nicht nötig gewesen, aber der Kopf verlangt Beweise, wo das Herz schon lange bekräftigend nickt.

Ja, Sehnsucht. Und unglaubliche Dankbarkeit für ein Geschenk.
Eine Reise, nebeneinander.
Weit entfernt zwar, aber im Geiste doch so nah und eng, dass es reichen wird.

Verliebt. In das, was da ist. In sie. In mich, wie ich sein darf. In uns. Ins Leben.

Frau Limette 04.01.2010, 05.30 | PL | einsortiert in:

Der Sieg des Gedanken über die Angst

Wer von Hoffnung lebt, stirbt an Verzweiflung...

Ist es besser, nicht zu hoffen? Zu glauben? Zu lieben? Zu leben?

Was bleibt dann noch?

Der Tod.

So oder so.

Frau Limette 04.01.2010, 00.01 | PL | einsortiert in:

Blut

Wenn einer Frau das Blut übers Gesicht läuft und auf den Boden tropft, während sie sich vor ihren schlagenden Mann stellt und mir versichert, dass alles gut ist ... wenn diese flehenden Augen mich bitten, einfach nur zu gehen, nichts zu tun...was bleibt dann...?
Vielleicht hätte ich noch frohe Weihnachten wünschen sollen.
Absurditäten dieser Welt.

Frau Limette 28.12.2009, 07.00 | (20/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Dankbarkeit

Ich weiß gar nicht, was genau ich erwartet habe. Dankbarkeit, anscheinend. Ich hätte das weit von mir gewiesen, im Laufe des Jahres. Aber so enttäuscht, wie ich im Moment bin, scheine ich es durchaus erwartet zu haben. Vor allem, weil sie um die meisten Dinge wusste.
Einfach nur die Anerkennung: Ja, es war auch für euch eine harte Zeit.

Und kein: "Wieso? Was war denn dieses Jahr bei euch?"

Da fehlen mir dann auch die Worte und im Grunde ist es unwichtig, sich zu rechtfertigen, weil es dann keinen Wert mehr hat, dieses Ja.

Und trotzdem stieg es hoch, dieses innere Gebrüll über Fehlgeburten und tote Babies, begrabene Träume und Hoffnungen, viele Streitereien, aufgeriebene Nerven, einen toten Hund, der mich seit 12 Jahren begleitete, der Kampf gegen die Schule das ganze Jahr, die Anfälle des Sohnes, die unendlichen Wochen, die ich jeden Tag 4 Stunden im Kindergarten mit einem schreienden Baby saß und seine Attacken aushielt, ohne das es besser wurde und schließlich das Handtuch geworfen habe, die vielen unerfüllten Sehnsüchte, der ins Wasser gefallene Urlaub, die unangenehmen Entscheidungen, der Tod meines Großvaters, die Aufbahrung und Beerdigung, die ewigen, unendlich langen Fahrten dorthin für zwei Tage, mit drei schreienden und weinenden Kindern im Auto, die wir oft nur schlecht auffangen konnten, diese Tage, an denen wir stundenlang über Papierkram saßen, die ständige Rufbereitschaft, falls was ist, die Urlaubstage des Mannes, die allesamt für Notfälle draufgingen, der schwere Unfall des Mannes Anfang des Jahres, die langen Wochen zuhause für ihn, die Besuche bei meiner Oma im Krankenhaus, ihre Krankheiten, die Angst, dass sie nun auch noch stirbt, die Auseinandersetzung mit meinen Eltern, die Ignoranz meines Vaters, der sich weigerte, mit mir Kontakt aufrechtzuerhalten und schlussendlich diese Erkenntnis, von den eigenen Eltern nie geliebt worden zu sein, der große und spektakuläre Familienshowdown nur wenige Stunden nachdem ich die Urne meines Großvaters weinend über den gesamten Friedhof getragen habe, die Nebenschauplätze mit Auseinandersetzungen mit Exmännern und -frauen und die damit verbundenen Sorgen und Ängste, Krankheiten und der komplette Zusammenbruch. Burn Out auf ganzer Ebene.

Aber nee, war nix. Alles prima.

Die Freiheit, die sie nun einfordert, sei ihr gegönnt. Auch das Glück, das sie darüber empfindet, nun allein zu sein.
Ich muss es nicht verstehen, nicht mal für mich annehmen, nur aushalten.
Aber nach 8 Monaten enger Begleitung einfach so beiseite geschoben zu werden, das tut weh.
Wir haben so viel gelernt und sind an so vielem gewachsen. Ja. Wir haben etwas daraus mitgenommen, auf das wir freiwillig bestimmt verzichtet hätten, das aber nichtsdestotrotz wertvoll war. Ja.
Es tut trotzdem weh.
Magnichtmehr.

Frau Limette 22.12.2009, 08.30 | (51/19) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Versuchungen

Träumend ein anderes Universum zu bereisen und genau zu wissen, dass es dort nach der Landung genauso trostlos sein könnte.
Und sich trotzdem für einen winzigen Moment hingeben in die Träumerei, die in der eigenen Welt keinen Platz mehr zu haben scheint.
Sanfte und zärtliche Antworten im Dort wo im Hier eisiges und geschäftiges Schweigen herrscht.
Scheideweg: Aufbrechen oder sich rückbesinnen.

Frau Limette 18.12.2009, 12.00 | PL | einsortiert in:

Das Klavier

Ich habe alle möglichen Arten von Musikunterricht bekommen. Auftritte verzeichne ich seit meinem fünften Lebensjahr. Auch vor so vielen Menschen, dass ich immer sehr froh war, dort oben allein auf der Bühne durch die hellen Scheinwerfer keinen Blick auf die Menge werfen zu müssen.
Der Klassiker: Bluse, Scheitel, Spange im Haar, kleines Röckchen, Kniestrümpfe.

Ich bin kein Musiker und werde auch nie einer werden.

Das wusste ich früher natürlich nicht. Mein Vater ist ein großer Verfechter dessen, das man heute die 10000-Stunden-Regel nennt, und so fehlte mir in seinen Augen immer nur eines: Übung.
Der Applaus fühlte sich gut an. Massiver Adrenalinstoß, wenn ein Stück fehlerfrei zuende gespielt wurde und die Monate harter Übung sich bezahlt machten.
Aber so im Nachhinein war es schal.

Mir sind diese Dinge nie zugeflogen. Mein erster Lehrer war ein Entertainer, wie er im Buche steht. Eine Rampensau mit dem absoluten Gehör und Gespür für Musik. Er hörte etwas, er spielte es sofort fehlerfrei nach. Ich habe das bewundert und mich selbst dafür gehasst, es nicht zu können.
Es war das, was mein Vater forderte. Stundenlang  hat er bei mir gesessen, meistens, bis ich weinte und forderte, die Dinge nach Gehör nachzuspielen. Wenn ich nicht mehr konnte und er enttäuscht war, wurde ich entlassen. Und setzte mich am Tag danach wieder Stunden ans Instrument, um den Ansprüchen gerecht werden zu können.

Als ich älter wurde, kam eine Pause.

Mein Großvater war 64 Jahre alt, als er beschloss, das erste Instrument seines Lebens zu erlernen.
Und ich entfernte die Staubschicht auf meinen Instrumenten und begann erneut.

Und entdeckte - ganz ohne Zwang, den Spaß, der dahinter stecken kann. Er lebte das vor.

Er war ein - sorry Opa - ein grundunmusikalischer Mensch. Alles schief, alles verkehrt, aber er hatte Spaß. Er sang lautstark und schief alle seine Volksmusikstücke mit, während er mit seinen riesigen Pranken herumklimperte, er wippte enthusiastisch mit dem Bein und ging völlig darin auf.

Oma hat ihn zum Üben dann irgendwann in den Keller verbannt, was seiner Freude keinen Abbruch tat.
Er ging jede Woche zum Unterricht, er übte jeden Tag ein bis zwei Stunden. Er trat mit den Leuten aus seiner Musikschule auf, die teilweise ein halbes Jahrhundert jünger waren als er.

Dieser Wille. Diese Liebe.

Ich dachte über die Musik nach und formulierte meinen Wunsch, den ich lange Jahre nur heimlich mit mir herumtrug. Klavier spielen lernen.

Ich bekam ein Klavier und natürlich Privatunterricht bei uns zuhause von jemandem von der Wiener Oper. Mitte 50 und ein Perfektionist.
Mit einem langen Lineal, mit dem er mir auf die Finger schlagen konnte.

Der Unterricht war hart und effektiv.

Und er hat mir keinen Spaß gemacht.

Ich habe erst jetzt mit den Kindern wieder angefangen, vor anderen Menschen zu spielen. Kommt der große hübsche Mann nach Hause und ich sitze tatsächlich an einem der Instrumente, ist sofort die Hemmung wieder da. Kein Publikum mehr. Nur noch für mich, für niemanden sonst.

Mit der Zeit reifte auch die Erkenntnis, dass ich kein Musiker sein muss, um Spaß daran zu haben, einfach nur Klavier zu spielen. Ich muss nichts erreichen. Das liegt zum Glück alles hinter mir.

Und so gesellt sich jetzt langsam der Spaß wieder dazu. Neben dem Klavier steht das Instrument meines Großvaters. Alt, abgewetzt, wie der Kuschelesel der Motte. Unansehlich.
Aber der Inbegriff eines Instruments, das mit Liebe gespielt wurde.

Und wenn ich ein paar Sekunden nur für mich habe, dann öffne ich manchmal den Koffer und streichle einmal heimlich darüber.

Habe ich noch mehr Zeit, hole ich es heraus spiele ein wenig.
Und es brauchte 31 Jahre, bis ich das verstanden habe: die Liebe zur Musik macht sie lebendig.

Opa, du fehlst mir hier.

Dein Urenkel sitzt so oft am Klavier und lauscht den Tönen.
Er hat dieses Gespür, dass es eine wahre Wonne ist, ihm zuzusehen und zuzuhören.

So zärtlich sucht er den Ton zu seinem Gefühl. Leise tippt er ihn an, horcht hin, nimmt ihn an und auf.

Singt mit dieser hellen Stimme und begleitet sich dabei am Klavier.
Ihm ist das gegeben und ich wünschte, du wärst hier. Einfach nur hier, um ihn zu sehen.

Ich hasse dich dafür, dass du gestorben bist.

Frau Limette 17.12.2009, 10.32 | (4/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Liebe...

...ermöglicht uns, die Menschen so zu sehen, wie sie sein könnten.

Und bürdet uns auf, sie nur zu begleiten, niemals zu führen.

Frau Limette 17.12.2009, 09.53 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Bande

Das kranke Mottenkind liegt halb auf jener Katze, die jeden anderen dafür schon blutig gekratzt und gebissen hätte - eine Hand ins Fell gekrallt - und wurde gerade schnurrend wieder in den Schlaf begleitet.

Frau Limette 16.12.2009, 15.20 | (6/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Alles Liebe zum Geburtstag.

Frau Limette 16.12.2009, 00.01 | PL | einsortiert in: