Frau Limette



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Einkaufsschlacht

Gestern erleben müssen, wie man mir das Geschenk für den großen hübschen Mann aus dem Korb klauen wollte, weil ich den letzten Artikel dieser Art aus dem Regal genommen hatte.

"Wollten Sie mir das aus dem Korb klauen??" frage ich die Frau fassungslos, als ich beide Kinder eingefangen hatte und um die Ecke bog, um weiterzugehen.

"Im Regal is keins mehr, jetzt regense sich ma nich so auf, wenn sie das hier einfach stehen lassen! Is ja noch nich ma bezahlt."

"Frau Papas Schenk klauen will?", fragte der Kobold ängstlich und ich nahm den Korb fest an mich, die Kinder an die Hand und ging zur Kasse.

Frau Limette 27.11.2009, 08.21 TB | PL | einsortiert in:

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Kommentare zu diesem Beitrag

10. von Stjama

Un-glaub-lich! Da fehlt wirklich das letzte Fünkchen Anstand!

(Und die Sache mit dem Mann im Silo lässt mir regelrecht das Blut gefrieren. Wie alt waren Sie damals?)

vom 05.12.2009, 11.48
Antwort von Frau Limette:

Beginn der Pubertät.
9. von Cornelia

Guten Morgen,

Dein Blog gibt mir Kraft!
Ich lese ihn und bin begeistert, dass Menschen stark genug sind nach einer solchen Kindheit nicht zu scheitern.
Vielen Dank
Cornelia

vom 01.12.2009, 08.49
8. von giftzwerg

Igitt. Igitt igitt igitt.

vom 27.11.2009, 17.35
7. von Andrea

UNFASSBAR!

Mir hat mal eine "Dame" im Al.. was aus dem Korb genommen, weil sie keine Lust hatte im Korb zu wühlen. Ich sei ja schließlich jünger und könne das viel besser. Dass ich damals mit einem Zweijährigen im Einkaufswagen und dickem Bauch vor ihr Stand, hat sie nicht interessiert.

In einem Outletcenter ist mir sowas auch schon x-mal passiert. Man muss da wirklich seine Augen und Hände überall haben.



vom 27.11.2009, 14.43
6. von SUSANN

Öh... hallo??? Die spinnt wohl!!! Sowas würde mir nicht im Traum einfallen, also echt!

(Hinterher wäre mir dann die passende Antwortfrage für sie eingefallen: Ach, so sehen Sie das? Na dann zeigen Sie doch mal ihren Korb her, vielleicht gefällt mir da ja was draus, dann muss ich nicht durch den ganzen Laden laufen dafür!)

Ganz lieben Gruß,
Susann

*diespinntwohl*

vom 27.11.2009, 14.09
5. von rebis

WAAAAASSSSSS???????
(das mit dem Mann, meine ich)
Ich sitze hier, hab vor Entsetzen Gänsehaut und Tränen in den Augen. Und bin sprachlos ...

vom 27.11.2009, 12.12
Antwort von Frau Limette:

Es gibt Schöneres, ja.

4. von rebis

Ja, liebe Frau Limette, da stimme ich vollumfänglich zu – wo wären wir als Gesellschaft, wenn alle sich so verhalten würden? Man darf gar nicht weiter drüber nachdenken …
Und es sind vermutlich mehr Menschen als man denkt, welche sich so rücksichtslos gebärden, nur die meisten hält das Schamgefühl (immerhin!) davon ab, dies auch noch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich hatte neulich mal ein Parkplatzerlebnis: Stundenlanges Warten vor der Musikschule, bis endlich ne Lücke freiwird, damit ich den Sohn abholen kann – die wartenden Mütter stehen brav in der Reihe, wer zuerst angekommen war, bekommt die nächste freie Lücke, auch wenn dann alle rangieren müssen. Neulich fährt so’n Typ an uns allen vorbei, direkt vor mir in „meine“ Lücke. DAS fand ich noch gar nicht das Schlimmste, sondern: Als ich es kurz darauf einer Bekannten, eben in der Musikschule, erzählte, immer noch leicht empört, sagt die doch als einziges drauf: „Naja, aber rein juristisch ist es so, wer zuerst in die Lücke einfährt, der ist im Recht.“ --- Ähm, ich war sprachlos. Mag ja juristisch so sein, ähnlich wie das Argument „es ist ja noch nicht bezahlt“, aber diese Frau lebt wohl wirklich nach dem Prinzip – Hauptsache das Gesetz nicht verletzen, alles andere ist erlaubt. Supergebildetes Elternhaus übrigens, superehrgeizig, die Kinder sollen ganz hoch in die Gesellschaft katapultiert werden – passt dann ja wieder :(
Und die Prügelschlachten, die habe ich auch schon erlebt: Kinderkleiderflohmarkt - hier bei uns. Entsetztes Kopfschütteln, als ich's das erste Mal miterlebt habe.

Vielleicht ist das ne „Lehrermacke“, dass ich bei jeglicher Handlung immer gleich – unbewusst! – zu ergründen suche, woher es kommt. (Ich meinte natürlich auch eher Mitgefühl als Mitleid.) Bei meinen Schülern ist das sicherlich der angemessene Weg – anders als bei Erwachsenen, die ja „fertig erzogen“ sein sollten und für ihr Handeln selbst verantwortlich sind.
Ich merke nur: gelingt es mir – je nach meiner Verfassung mehr oder weniger gut, manchmal überhaupt nicht, insbesondere wenn meine Kinder mitbetroffen sind, ja! – meine Energie nicht auch noch fürs Aufregen zu ver(sch)wenden, dann fahre ich besser damit. Ich habe so viel andere emotionale Baustellen, im Innern wie im Äußern. Aber Sie sagen es: unsere Emotionen lassen sich nunmal nicht dirigieren.

So, nun werde ich mal darüber nachsinnen, welche ungeschriebenen Verhaltensregeln ich eigentlich als Verzicht empfinde (so habe ich das noch nie betrachtet, aber es stimmt irgendwie.)

Liebe Grüße
Uta


vom 27.11.2009, 11.29
Antwort von Frau Limette:

Ich komme aus so einem Elternhaus.
Ich wurde so erzogen, von klein an, dass alles okay ist, so lange man sich nicht erwischen lässt.
Und ich war natürlich auch so. Sehr lange.
Es ist sehr schwer, sich davon freizukämpfen.

Als einen der Wendepunkte meines Lebens habe ich es empfunden, als mein Vater als Verantwortlicher einer sehr großen Firma entscheiden musste, was getan wird, als in einem der Werke ein Mann in ein Silo gefallen war.
Ihm drohte der Tod durch Ersticken bzw. Erdrückt werden und mein Vater koordinierte alles von zuhause aus.
Die erste Handlung war eine Kosten-Nutzen-Rechnung zugunsten der Firma.
Was es kosten würde, den schwer zugänglichen Unfallort aufzuschweißen und wie hoch der Verlust der dort befindlichen Ware und wie teuer der Neuaufbau wäre, einbezüglich aller Versicherungen, die man bemühen könnte.
Hinterbliebenenrente stand auf dem Programm, denn ich erfuhr, dass der Mann "leider ne Hausfrau mit vier Kindern" hinterlassen würde.
Ich saß sehr verängstigt auf dem Treppenabsatz, lauschte und dachte an den Mann, der da so ganz allein war und mit dem Tod rang.

Mein Vater bemühte die Firmenanwälte, die Pressesprecher und fluchte viel.
Als die Anwälte bei uns waren, stellte er die Frage: "Ist es billiger, wenn wir ihn sterben lassen?"

Viel von mir gefror zu Eis, damals.

Wir leben in einer Welt, in der die Angst vor schlechter Publicity einem Mann das Leben gerettet hat.

Es ist zum Kotzen.

3. von Tina Pappnase

Ich bin ebenso fassungslos.

Und sie hat es noch nichtmal abgestritten dass sie es rausklauen wollte???
DER Hammer.
Und DU sollst Dich nicht aufregen?
Unser Wagen bleibt auch öfter mal irgendwo an der Ecke stehen ... NIEMALS würde ich auf die Idee kommen dass da einer was rausklauen könnte.

Die Menschen sind doch komisch.
Mit schüttelndem Kopf schaue ich mir auch immer die Reportagen über Elektromarkteröffnungen an, wenn es Rabatte gibt. Die schlagen sich ja da immer die Köppe ein...

Blöder Schreck für den Kobold :-(

Gut dass Du im richtigen Moment um die Ecke kamst :D
Ich hoffe die Frau schämt sich zu Tode, befürchte aber, dass sie es nicht tut..

vom 27.11.2009, 10.13
Antwort von Frau Limette:

Ich werde meine Einkäufe bis zur Kasse künftig mit Stacheldraht oder Ähnlichem sichern, glaube ich.
Der Kleine hat einen ziemlichen Schreck bekommen, ja. Das war eigentlich das Schlimmste daran, muss ich ja auch immer befürchten, dass uns diese Vorfälle wieder zurückwerfen mit ihm... :/

2. von rebis

Also hier auch großes Kopfschütteln. Einfach nur unglaublich.
Andererseits fange ich bei derartigen Erlebnissen immer an fast schon Mitleid mit solchen Menschen zu haben - was fehlt denen eigentlich im Leben, oder was hat ihnen ein Leben lang gefehlt, dass sie SO sind?
Ich möchte das nicht als Entschuldigung verstanden wissen, aber mir hilft es im Innern, nicht bitter zu werden bei so etwas, sondern weicher zu reagieren. So dass ich selbst nicht auch noch Energie aufbringen muss, um es zu verarbeiten. Irgendwie so.

vom 27.11.2009, 09.08
Antwort von Frau Limette:

Guter Weg.

Gestern, als ich das verstörte Gesicht des Kobolds sah, fehlte mir dieses Mitleid. Ich bevorzuge an sich Mitgefühl gegenüber Mitleid, aber das bringe ich momentan noch weniger auf.

Wo wären wir als Gesellschaft ohne die vielen anerzogenen "Das macht man nun mal nicht!"?

Traurig, dass ohnehin schon so viel aufgefangen werden muss von jenen, die sich diesen Moral- und Wertvorstellungen freiwillig verpflichten.
Denn natürlich bedeutet es Verzicht, sich auf die ungeschriebenen Gesetze des menschlichen Miteinanders einzulassen.

Und natürlich darf sich jeder so rücksichtslos verhalten, wie er das gerne möchte.
Freiheit...

Aber traurig macht mich so etwas allemal.

Liebe Grüße,
Kati

1. von Dani

Unmöglich! Aber echt mal!
Sowas ist immmer besonders irre, weil man selber niemals auf die Idee kommen würde, jemandem etwas aus dem Korb zu nehmen.
lg,dani

vom 27.11.2009, 08.24
Antwort von Frau Limette:

Daher die Fassungslosigkeit, ja.

Ich hab mich auch schon ein paar Mal im Leben geärgert, wenn jemand noch einen Artikel bekommen hat und ich genau diesen dann nicht mehr, aber ich würde tatsächlich mit all dem Frust nicht auf die Idee kommen, jemandem was aus Korb oder Wagen zu nehmen.

Und morgen prügeln wir uns dann drum, oder was?

Mit drei Kindern beim Einkauf passiert es häufig, dass die Einkäufe mal kurz in der Ecke stehen bleiben, weil ich eines der Kinder einfangen oder daran hindern muss, dass unsere Haftpflichtversicherung uns irgendwann kündigt.

Noch nicht bezahlt hin oder her - ich hab mich innerlich doch sehr zusammenreißen müssen.

Liebe Grüße,
Kati